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Mit aktuellen Ausschreibungen, Wettbewerben, Stipendien und Neuigkeiten aus der Verlags- und Autorenwelt sowie gelegentlichen Artikeln und Interviews!

Meist unbedachte Vorteile von Ausschreibungen

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Es werden fast monatlich von verschiedensten Verlagen neue Ausschreibungen gestartet oder von Organistationen Literaturpreise vergeben. Unzählige Autoren und Schriftsteller schicken ihre Kurzgeschichten und Gedichte ein, obwohl man oft nicht einmal einen Hungerlohn bekommt - man kann froh sein, wenn man ein Belegexemplar und den Autorenrabatt in der Tasche hat.

Dennoch mangelt es den Lektoren und Herausgebern von Anthologien nicht an Einsendungen, es gibt genügend Menschen, die abends nach der Arbeit noch ein paar Zeilen tippen, um, neben ihrem aktuellen Romanprojekt, mit ihren kleinen Geschichten Leserschaften von Anthologien zu begeistern.

Vielleicht ist es das gribbeln im Bauch, wenn wieder eine der eigenen Kurzgeschichten gedruckt wird?
Wahrscheinlich, denn das Geld ist es sicher nicht. Nur selten bekommt man als Mit-Autor einer Anthologien ein Honnorar, und falls doch, werden die 5% unter allen Beteiligten aufgeteilt, sodass meist nur ein Taschengeld von 5-20 Euro übrig bleibt - natürlich vorausgesetzt, die Anthologie verkauft sich einigermaßen.

Aber was hat man davon, seine Zeit in solche Einsendungen zu stecken?

  • Der wichtigste Punkt, der oft unterschätzt wird: man bekommt von den meisten Verlagen ein Lektorat - und mit "Lektorat" meine ich wirklich ein Lektorat, also das stilistische "in Form" bringen der Geschichte mit Rücksicht auf den persönlichen Schreibstil, und kein bloßes Korrektorat. Dadurch gewinnt man viele wertvolle Erfahrungen, die einem beim weiteren Schreiben wie feste Grundsäulen unterstützen.
  • Die Ideenvielfalt wird trainiert. Gerade, wenn man Kurzgeschichten schreibt, muss man sich für jede Geschichte einen eigenen Plot samt Charakteren und Konflikten ausdenken und das alles "lesenswert" machen, indem man unwichtige Sachen streicht und vielversprechende Konlikte ausbaut. Das alles trainiert die eigene Kreativität ungemein - man merkt mit der Zeit, wie einem die Spinnfäden der Geschichte immer leichter aus der Hand fließen.
  • Man überwindet besser seinen eigenen Schweinehund bzw. seine Schreibblockaden, da für viele Ausschreibungen ein konkreter Einsendeschluss feststeht (es gibt aber auch unbefristete Ausschreibungen - so listen wir in Aiwia auch Literaturzeitschriften oder Verlage, an die man jederzeit zu bestimmten Themen und Genres Kurzgeschichten einsenden kann). Wenn es einen Termin gibt, kann man es nicht mehr vor sich herschieben.
  • Es werden Kontakte geknüpft. Wenn man öfters originelle Geschichten in einem bestimmten Verlag veröffentlicht, wird der eigene Name den Verlagsmitarbeitern automatisch geläufig ... falls man dann einmal ein Romanmanuskript an genau diesen Verlag sendet, wird der Lektor bei Ihrem Namen aufhorchen, und sich denken: "Mhhh, den kenne ich doch. Der hat immer zuverlässig die Termine eingehalten, wirklich gute Geschichten abgeliefert und lobende Rezensionen erhalten ... sein Manuskript muss ich mir auf jeden Fall genauer anschauen, denn sein Schreibstil war auch vielversprechend ..." So kann man vielleicht ein Standbein in verschiedene Verlage bekommen, und Vitamin B hilft immer, denn die Verlagsmitarbeiter und Buchhändler kennen sich auch untereinander - nicht selten wird über den einen oder anderen Autor geplauscht.
  • Unerfahrene Schreiberlinge bekommen einen Einblick in die Verlagswelt, zum Beispiel, wie ein Lektorat funktioniert oder was man bei einem Autorenvertrag alles beachten muss.
  • Für Autoren, die schon andere Veröffentlichungen vorzuweisen haben, ist ein oft außer Acht gelassener Punkt die Eigenwerbung. In der Autorenvita und -bibliografie hat man die Gelegenheit, auf seine verschiedenen Werke aufmerksam zu machen, und wenn die in der Anthologie veröffentlichte Geschichte den Leser anspricht, wird hinten im Buch über den Autor nachgeschlagen, was man denn noch so von ihm lesen könnte ...
  • Bei manchen Wettbewerben und Literaturpreisen findet anschließend eine Veranstaltung für die Gewinner statt - dort kann man als Neuautor erste Erfahrungen mit Vorlesungen machen und vielleicht sogar mit anwesenden Lektoren, Verlagsmitarbeitern und anderen Schriftstellern Kontakte knüpfen.
  • Man wird veröffentlicht. Eine Geschichte oder ein Gedicht in einer Verlagsanthologie ist zwar kein goldener Pokal oder Nobelpreis, aber wenn man eine Vielzahl von Werken bei renommierten Verlagen unterbringt, liest sich die beiliegende Autorenbibliografie einer Manuskripteinsendung für den Lektor schon viel interessanter.
  • Die Themenstellungen von Ausschreibungen und Wettbewerben liefern viele neue Ideen und bringen die eigene Kreativität in Schwung. Nicht selten wird aus einer Kurzgeschichten-Idee anschließend ein Roman ...
  • Mit einem Anthologienbeitrag erreicht man meist eine Stammleserschaft des jeweiligen Verlages, die man mit selbst veröffentlichten Kurzgeschichten eher nicht erreichen würde ... die Geschichten einer Anthologie werden gelesen, und das wärmt jedes Autorenherz.


Mit diesen Aspekten will ich Ihnen zeigen, dass das Schreiben von Kurzgeschichten nicht einfach das Schreiben von kurzen Geschichten ist, sondern, dass hinter den Kulissen viel mehr Möglichkeiten und Vorteile für den Autor stecken.

Das ist auch der Grund, warum ich Aiwia öffentlich zugänglich gemacht habe - ich möchte jedem die Möglichkeit geben, diese Chancen für sich zu nutzen, ohne unzählige Stunden in das Suchen zu stecken.

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