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Vom Selfpublishing zum Verlag



Vom Selfpublishing zum Verlag
Ein Interview mit Patricia Holland Moritz


Patricia Holland Moritz - studierte Nordamerikanistikerin, Speditionskauffrau, Tourneeveranstalterin, Buchhändlerin, Verlagsmitarbeiterin bei Ullstein, aber vor allem eines: Autorin mit Leib und Seele.
So schrieb sie zusammen mit dem Pfarrer Christian Führer dessen Autobiografie »Und wir sind dabei gewesen« (Ullstein 2009) und veröffentlichte 2012 ihren Roman »Zweisiedler« über BoD, nur um kurz darauf den Sprung zur Verlagsautorin zu schaffen: »Die Einsamkeit des Chamäleons« erschien im Februar bei Gmeiner.

Für »Zweisiedler« erhielten Sie das sechsmonatige Stipendium für Berliner Autoren und Autorinnen. Hätten Sie den Roman auch ohne diese Hilfe geschrieben?

Auf jeden Fall, wobei mir das Stipendium natürlich geholfen hat, nicht nur finanziell, sondern vor allem (als Wertschätzung) moralisch.


Nach dem Schreiben und Überarbeiten schritten Sie zur dritten Phase: die Vermarktung. Was war der Grund, in Eigenregie zu veröffentlichen?

Da ich selbst für einen renommierten Verlag arbeite, waren sich alle sicher: Die findet doch sofort einen Verleger für ihr Buch. Doch manchmal sitzt man (zu nah dran) auch im „Auge des Orkans“, dort, wo sich so gar nix bewegt. Jeder kennt einen, mag einen, mag das Buch und schätzt das Stipendium (das den Wert eines Literaturpreises hat), aber getan hat letztlich niemand etwas. Krimi? Frauenroman? Frankreichroman? – Mit den Schubladen tun sich die Lektoren schwer. Vor allem, wenn es keine zu geben scheint. Da fällt die qualitative Einschätzung des Textes schon mal hinten runter. Und ich wusste: Vom Herumliegen wird das Script nicht besser, jetzt muss es raus. „On demand“ drucken zu lassen, bedeutet zudem, keinem zwielichtigen Druckkostenverlag auf den Leim zu gehen. Der finanzielle Aufwand ist also gering.


Sie wählten BoD als Druckmedium. Was sollte man Ihrer Meinung nach bei der Gestaltung bzw. beim Layouten des eigenen Buches beachten, da ohne Verlag diese Arbeit an einem selber hängen bleibt? 

Unbedingt – UNBEDINGT – in folgende Dinge investieren (denn die Druckkosten an sich, siehe oben, sind eher eine Mitgliedsgebühr, also gering):

  • Lektorat
  • Korrekturleser
  • professioneller Satz (also das Schriftbild)
  • professionelles Cover

Sonst sieht das Ganze aus wie eine selbstverfasste Broschüre zum Fest der Freiwilligen Feuerwehr.


Auch bezüglich der Vermarktung ist man als selbstveröffentlichender Autor auf sich allein gestellt. Wo lagen Ihre Schwerpunkte, die sich Ihrer Meinung nach am meisten lohnten?

So profan das im digitalen Zeitalter klingt: 

  • Visitenkarten, Lesezeichen, Postkarten – alles mit dem Buchcover (Wiedererkennungseffekt schaffen), Kontaktmail, ISBN, und wenn dann noch Platz ist, auch den Klappentext mit darauf.

Online: 

  • Facebook
  • eigener Blog (wie z. B. meiner)
  • Amazon-Autorenseite
  • Leseprobe online
  • Buchverlosungen, Gewinnspiele online
  • Rezensionen für Amazon erbitten


Buchpräsentation selbst organisieren: 

  • geeigneten Ort finden, Buchhändler engagieren, Freunde einladen („Hütte vollkriegen“), Fotos machen, ins Netz stellen, Bücher verkaufen und signieren.



Gibt es etwas, wovon Sie aus eigener Erfahrung abraten würden?

Immer wieder von Druckkostenzuschussverlagen, dann sitzen Sie auf einer bezahlten Auflage von Büchern. No way.
Ein sehr aufschlussreicher Artikel dazu von Spiegel Online.


Ihren nächsten Roman »Die Einsamkeit des Chamäleons« veröffentlichten Sie nicht mehr in Eigenregie, sondern mithilfe des Gmeiner Buchverlages. Kamen Sie auf den Verlag zu oder entdeckte Sie Gmeiner aufgrund von »Zweisiedler«?

Letzteres. Nur dass die Gmeiner-Romane auf Serien angelegt sind und im deutschsprachigen Bereich spielen. Beides ist bei „Zweisiedler“ nicht der Fall, aber der Schreibstil hat überzeugt.


Ihr Verlagsroman ist zwar noch recht neu, aber haben Sie bereits in dieser kurzen Zeit einen besseren Umsatz als beim Selfpublishing erzielt? Können Sie aus Ihrer Erfahrung sagen »Verlag = mehr Einnahmen«?

Das kann ich bestätigen.
Hat in meinem speziellen Fall allerdings auch damit zu tun, dass ich für den „Zweisiedler“ aus Zeitgründen nicht konstant an der Vermarktung arbeiten konnte, wissend, dass Gmeiner mein nächstes Buch veröffentlicht und der „Zweisiedler“ dann etwas mitziehen wird. Was sich auch bewahrheitet hat.


Wieso wollten Sie »Die Einsamkeit des Chamäleons« über einen Verlag veröffentlichen bzw. was störte Sie beim Selfpublishing am meisten?

Es stört mich nicht, dass ein Buch, das man selbst veröffentlicht hat, nicht den Goût einer Verlagsveröffentlichung hat. Ich denke, das ist eine ganz annehmbare und auch nachvollziehbare Reaktion der Leute.

  1. motiviert dieser Umstand, das selbst veröffentlichte Buch umso professioneller zu gestalten.
  2. ist man schon mal als Autor „gelistet“ (d.h. Name und Buch erscheinen bei Amazon, libri, etc.) und hat es somit etwas leichter, bei einem Verlag unterzukommen.


Was ist die größte Last, die ein Verlag dem Autor abnimmt?

Das beantwortet sich mit dem, was der Verlag dem Autor gibt: das Gefühl, als Schriftsteller angekommen zu sein.


Viele Autoren haben Angst, dass ihnen die Freiheit geraubt und das Werk »verhunzt« wird, in der Art »Liebesstories und Sexszenen  gehen  momentan weg wie warme Semmeln, also flechte noch ein paar mit in den Plot ein!«. Was können Sie aus Ihrer Erfahrung sagen?

So etwas habe ich nie erlebt. Weder in dem Verlag, für den ich selbst im Lektorat arbeite, noch bei den Verlagen, in denen ich bisher veröffentlicht habe. (Zur Information: Neben meiner Krimiserie um das Chamäleon schreibe ich Kurzkrimis für den fhl-Verlag. Sie erscheinen dort in Anthologien.)


Gibt es bei der Wahl eines Verlages eine »Mindestgröße« oder würden Sie auch über einen weniger marketingfähigen Kleinverlag veröffentlichen wollen?

Je kleiner, umso besser ist auch eine Erfahrung. Man fällt dann als Neuling nicht ganz so durch das Raster, sondern wird betreut wie alle anderen.


Würden Sie noch einmal einen Roman in Eigenregie veröffentlichen, falls sich kein Verlag für das Manuskript findet, oder würden Sie sich konsequent an die Arbeit des nächsten Buches machen?

Meine nächste Arbeit gehört konsequent dem zweiten Teil meiner Chamäleon-Serie. Genauso konsequent schreibe ich weiter Kurzkrimis für die Anthologien des fhl-Verlages. Da ich aber noch unveröffentlichte Manuskripte in meiner Schublade habe, die mit keinem der beiden Projekte etwas gemein haben, werde ich diese nach und nach „aufforsten“, werde sie Verlagen anbieten und wäre auch tatsächlich bereit, diese dann doch wieder bei BoD zu machen. (Da bin ich übrigens ganz pragmatisch: Ich bleibe gerne einem Unternehmen wie BoD treu, mit dem ich einst gearbeitet habe, auch wenn es mittlerweile zahllose andere gibt.)


Ihr Roman »Die Einsamkeit des Chamäleons« gilt als einer der wenigen Krimis, der bezüglich der Logik vollkommen in sich schlüssig ist. Wie viel Zeit haben Sie in die Planung Ihres Romans gesteckt? Wie lange haben Sie diesen überarbeitet?

Vielen Dank für das Kompliment. Zur Planung habe ich mich mit dem buchstäblichen weißen Blatt für eine Woche auf die ebenfalls buchstäbliche Insel zurückgezogen, in diesem Falle Ischia.






Das Grundkonzept stand sehr schnell: meine Hauptfigur und ihr Fall. Einen weiteren Monat saß ich dann an der Ausarbeitung eines kompletten Exposés mit allen Nebenfiguren, Schauplätzen, Fachliteratur, Recherchen. Während des Schreibens dann ergaben sich noch weitere Ideen, ergab sich eine ganze Recherchereise.

Ich rate jedem Mut (!) zur Recherche. Menschen sind aufgeschlossen, wenn sie nach ihrer Arbeit befragt werden. Hier habe ich es in die „Headquarters“ der Chicago Tribune zum Journalisten John Kass geschafft …

Am Evanston Art Center wiederum nahm ich an einem  Workshop des Künstlers Matthew Runfola teil…



währenddessen sein Buch zum Thema Patina entstand …





... was in meinem Roman wiederum eine große Rolle spielt.


Lobi
Für meinen Fragenkatalog zu afrikanischer Kunst nahm sich der Galerist Markus Gunti bei Pizza und Wein endlos Zeit …  so erfuhr ich mehr zum Thema Auktionen und jener seltsamen „Lobi“, die ebenfalls ihre Rolle im Buch abbekommen sollte.






Auch der bei Facebook entstandene, wertvolle Kontakt zum Kriminalrat a.D. Manfred Lukaschewski und seinen Büchern




 gestaltete die Ermittlungsarbeit meines Romanes ein ganzes Stück realistischer, als ich das allein geschafft hätte.

Also: Von der Idee bis zur Manuskriptabgabe dauerte es 10 Monate. Darauf folgte in Zusammenarbeit mit dem Verlag die Bearbeitung für ca. 4 Monate bis zur Drucklegung.


Was wollen Sie jedem Autor, der sein Werk in Eigenregie veröffentlichen will, mit auf den Weg geben?

Just do it – aber bedenke, dass Du nicht willst, dass Dein Buch wie ein-selbst-veröffentlicht-weil-nicht-gut-genug-für-einen-Verlag-Buch aussehen soll. Vom Inhalt ganz abgesehen! Mach Dir unbedingt Gedanken darüber, wer Dein Buch lesen soll, ob Du es selbst auch gern kaufen (sprich: es in der Masse entdecken, dafür Geld ausgeben und es auch weiterempfehlen) würdest. Ein Buch ist nicht dafür da, die eigene Eitelkeit oder die von Familie und Freunden zu befriedigen.
Ist das alles bedacht: siehe Selbstvermarktung weiter oben.


Haben Sie abschließend einen Rat, den Sie jeden noch nicht veröffentlichenden Autor ans Herz legen?

Schreiben ist Lesen. Sei Dir außerdem sicher, dass Du das Handwerk des Schreibens beherrschst. Und wenn Du es erlernen willst, dann schließe Dich Leuten an, die das bereits tun. Und immer wieder lesen lesen, lesen, denn nur so bekommst Du ein Gespür für Sprache und Dramaturgie und letztlich auch dafür, was gekauft (und damit gelesen) wird. Fühlst Du die Geschichte in Dir, dann schreib sie auf. Tu es. Das ist mein Rat, denn nichts schmerzt am Ende des Tages mehr als etwas, was man immer tun wollte und doch nicht getan hat.



Nun bedanke ich mich ganz herzlich für Ihre Zeit, Patricia Holland Moritz, und füge noch als heißen Vermarktungstipp hinzu: Ein guter Autor führt viele Interviews.

Falls also jemand Lust auf den Berlin-Krimi »Die Einsamkeit des Chamäleons« bekommen hat oder sich über die Qualität des BoD-Buches »Zweisiedler« überzeugen will ... übrigens stellt der Verlag Verlosungsexemplare zur Verfügung – gerne auch gegen Rezensionen.

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